Between Russia and China: Models for reform and governance in Central Asia
Editors: Manuela Troschke, Andreas Zeitler, Veniamin Ginzburg
Funding: Volkswagen Foundation
Period: 2003-2005
Keywords: Central Asia, corporate governance, governance, decentralisation
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Bei der Transformation der autokratisch bis diktatorisch regierten Staaten Zentralasiens stellt sich ein Problem, welches von der mikroökonomisch fundierten Transformationstheorie her bekannt ist: Welche Motivation zu Reformen hat ein Souverän, der er keinem politischen Wettbewerb ausgesetzt ist und eine Machtbalance zwischen verschiedenen Interessengruppen erreicht hat? Mikroökonomische Ansätze wie Spiel- und Vertragstheorie ermöglichen es, politische Restriktionen und das grundsätzlich auf Maximieren des eigenen Nutzens gerichtete Verhalten von Politikern und Behörden im Reformverlauf zu untersuchen. Als Modellfall für ineffiziente Reformen trotz politischen Wettbewerbs wird meist Russland, als Modellfall für effiziente Reformen trotz politischen Stillstands meist China herangezogen. Das Forschungsvorhaben will die Frage beantworten, in welcher Position zwischen diesen beiden Polen sich die zentralasiatischen Staaten befinden.
Im ersten Forschungsjahr wurde in mehreren Arbeiten ein Überblick über das Thema „Staat und Wirtschaft in Zentralasien" erarbeitet. Da keine fundierten komparativen Analysen zu diesem Gebiet vorliegen, wurde zunächst die Reformpolitik der zentralasiatischen Länder im Vergleich zu China und Russland dargestellt und mit Daten belegt. Eindeutiges Ergebnis ist, dass alle Staaten trotz unterschiedlicher institutioneller Ausgestaltung bei einem ähnlichem Staatsverständnis eher dem russischen Reformmodell gefolgt sind. Eine zweite Arbeit beschäftigte sich explizit mit der Frage, ob Usbekistan, wie oft in der Literatur angemerkt, einen Reformpfad ähnlich dem chinesischen Modell eingeschlagen hat. Die anreizkonforme Ausgestaltung der Reformen, deren Effizienz für das chinesische Modell kennzeichnend sind, kann für Usbekistan nicht belegt werden. Statt dem Vertrauen auf ein positives Wirken von Anreizen und Motivation findet sich dort in allen Reformbereichen das Beharren auf staatlicher Überwachung und Kontrolle. Die Sonderrolle Turkmenistans wurde in einer dritten Arbeit vor dem Hintergrund der von Djankov theoretisch formulierten Frage „Dictatorship versus Disorder" untersucht. An Hand der Landwirtschaft und des Energiesektors wird dargestellt, das die Existenz eines „starken Staates" negative Effekte der Desorganisation der Wirtschaft in der Tat teilweise vermeiden konnte. Allerdings wird der Staat dabei systematisch um die richtigen Informationen betrogen und setzt die erwirtschafteten Ressourcen daher ineffizient ein. Die Frage der „embeddedness" der Reformen in Zentralasien in den sozialen Kontext eines Landes wurde für Usbekistan untersucht, in dem das soziale Kapital, vorhandene Governance-Indikatoren und die wirtschaftliche Entwicklung in Zusammenhang gesetzt wurden.
Im zweiten Forschungsjahr wurde die Rolle des Staates auf der Unternehmensebene (Corporate Governance) untersucht. Im Jahr 2004 wurden dafür mit Hilfe der Kooperationspartner vor Ort eigene Erhebungen konzipiert und in den Sektoren Leicht- und Lebensmittelindustrie in Kasachstan und Usbekistan durchgeführt. Die ökonometrische Auswertung des umfangreichen Mikrodatensatzes im nächsten Jahr lieferte klare Aussagen über die Konzeption dieser Reformen und deren Einordnung zwischen Russland und China. Zum einen blieben in beiden Staaten blieben nach der teilweisen Privatisierung ähnliche Probleme auf der mikroökonomischen Ebene ungelöst wie in Russland. Zum anderen wurden in keinem Staat vergleichbare Anreize auf der mikroökonomischen Ebene eingeführt wie in China. Ergänzt wurde dieser Abschnitt auf Anregung der Kooperationspartner durch eine Reihe von Publikationen, welche die der Untersuchung zu Grunde liegenden Privatisierungstheorien in russischer Sprache anwendungsbezogen darstellten.
Im dritten Forschungsjahr wurde die Rolle des Staates auf der Makroebene (State Governance) untersucht. Da China diese durch starke Dezentralisierung verbessern hatte können, wurde eben dieser Bereich für eine Untersuchung ausgewählt. Mit Hilfe der Kooperationspartner in Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan wurden nicht publizierte Daten zur fiskalischen Dezentralisierung aufbereitet und in zwei Arbeiten analysiert. Die komparative Betrachtung der drei Länder in der ersten Arbeit zeigt, dass trotz hoher quantitativer Indikatoren der Dezentralisierung eine qualitative Dezentralisierung nur in Kasachstan in Ansätzen erreicht werden konnte. Aber auch dort basiert der zweiten Analyse zu Folge die Dezentralisierung weniger auf dem Willen zu Übertragung von Kompetenzen und Ressourcen an nachgeordnete Ebenen, sondern auf dem Druck veränderter makroökonomischer Rahmenbedingungen und internationaler Kreditgeber.
Literatur:
Between Russia and China: Central Asia's Transition experience. Andreas Zeitler. OEI Working Papers Nr. 258, 35 Seiten, Dezember 2005
Graduelle Transformation: Ein Vergleich der Reformstrategien in China und Usbekistan. Alexandra Reppegather, Manuela Troschke. OEI Working Papers Nr. 260, 65 Seiten, Februar 2006
Chaos versus Diktatur: Wirtschaftswachstum und Institutionen in Turkmenistan. Manuela Troschke, Veniamin Ginzburg. In: Osteuropa-Wirtschaft No. 49, Heft 2/2004
Privatisation and Corporate Governance in Kazakhstan and Uzbekistan: Insights from a Corporate Survey in Food and light industries Manuela Troschke, Andreas Zeitler. OEI Working Paper Nr. 259, 62 Seiten, Februar 2006
Die Privatisierung von Unternehmen: Ja oder Nein? Warum? Was ist besser? - Beispiele für die Anwendung mikroökonomischer Modelle zur Begründung der Privatisierung (auf Russisch). Manuela Troschke, Veniamin Ginzburg In: Ökonomie und die Klasse der Eigentümer. (auf Russisch, Usbekistan), Teil 1 in No. 3/2004, Teil 2 in No. 4/2004
Privatisierung - Theoretische Modelle und mögliche Folgen (auf Russisch). Manuela Troschke, Veniamin Ginzburg. In: EFI: Ökonomie, Finanzen, Forschung (auf Russisch, Kasachstan), Heft 1/2005
Die Mikroökonomische Theorie der Privatisierung: Warum man nicht privatsiert (auf Russisch). Manuela Troschke, Veniamin Ginzburg. In: EFI: Ökonomie, Finanzen, Forschung (auf Russisch, Kasachstan), Heft 2/2005
Fiscal Decentralization in Centralized States: The Case of Central Asia. Manuela Troschke, Natalie Leschenko. OEI Working Papers Nr. 261, 39 Seiten, Februar 2006
Fiskalische Dezentralisierung und regionale Disparitäten in Kasachstan. Manuela Troschke, Horst Ufer. OEI Working Papers Nr. 262, 42 Seiten, Januar 2006
